Bei Muhos im Norden Finnlands hat Google nach Recherchen des Guardian eine Waldfläche von rund 330 Hektar roden lassen, nach Schätzung von Naturschützern rund 250.000 Bäume, samt Oberboden. Die vorgeschriebenen Umweltverträglichkeitsprüfungen waren zu diesem Zeitpunkt nicht abgeschlossen. Die finnische Aufsichtsbehörde ordnete daraufhin einen vorläufigen Stopp der Arbeiten in Muhos und an einem zweiten Standort an. Am 29. Oktober berichtete der Guardian, dass die Polizei ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren wegen möglicher Verstöße gegen Umweltrecht eingeleitet hat.
Googles Reaktion
Google hat die Arbeiten nach dem Schreiben der Behörde vom 6. Oktober eingestellt und sich entschuldigt. Der Finnland-Chef Antti Järvinen erklärte laut t3n, man habe nach dem damaligen Verständnis der Rechtslage gehandelt. Google will die Wasserqualität schützen und auf 130 Hektar neu aufforsten; Naturschützern ist das zu wenig.
Einordnung
Die beiden Standorte gehören zu einem 13-Milliarden-Euro-Projekt für KI-Infrastruktur, dem größten dieser Art in Finnland. Laut Guardian sind dort 145 Rechenzentren in verschiedenen Planungsphasen. Kühles Klima, viel Fläche und politische Stabilität machen das Land attraktiv. Premierminister Petteri Orpo hatte Investitionen „höchste Priorität“ genannt. Nun wächst der Widerstand wegen Schäden an Wäldern und Gewässern, Lärm und steigender Energiepreise. Das Thema dürfte den Wahlkampf vor der Parlamentswahl im April prägen.
Warum der Norden so begehrt ist
Rechenzentren benötigen große Mengen Strom und Kühlung. In nordischen Ländern sind die Außentemperaturen niedrig, erneuerbare Energie ist vergleichsweise gut verfügbar und Flächen sind vorhanden. Die Internationale Energieagentur hat in ihrem Bericht zu Energie und KI beschrieben, wie stark der Strombedarf von Rechenzentren durch KI-Anwendungen wächst. Dieser Druck schlägt sich zunehmend in Konflikten um Flächen, Netze und Gewässer nieder.
Was der Fall für Cloud-Kunden bedeutet
Für Unternehmen, die Cloud-Dienste beziehen, sind solche Vorgänge zunächst weit entfernt. Sie gewinnen jedoch an Bedeutung, weil Nachhaltigkeitsberichte zunehmend auch die Lieferkette und damit die genutzte IT-Infrastruktur betreffen. Wer Rechenzentrumsleistungen einkauft, kann Anbieter nach Standortpolitik, Umweltprüfungen und Energieherkunft fragen und die Antworten dokumentieren.
Offen ist, wie die finnischen Behörden und die Justiz den Fall abschließend bewerten. Das Ermittlungsverfahren ist eingeleitet, ein Ergebnis gibt es noch nicht. Für Google gilt bis dahin die Unschuldsvermutung.
Quellen und Weiterlesen
Dieser Beitrag stützt sich auf die Berichterstattung von The Guardian: Finland launches criminal investigation into Google’s clearing of forest for datacentre site und The Guardian: ‘Pure arrogance’: anger in Finland as Google illegally fells 250,000 trees for datacentre und t3n: Google: Illegale Rodung für KI-Rechenzentrum in Finnland. Zahlen und Angaben stammen aus diesen Quellen, eigene Schätzungen hat die Redaktion nicht ergänzt. Wer tiefer einsteigen möchte, findet ergänzendes Material hier:
- IEA: Energy and AI: Studie mit Daten und Analysen.
- Finnisches Umweltinstitut und Umweltverwaltung (englisch): Hintergrundinformationen zur beteiligten Organisation oder zum Thema.


