In der Ukraine und in Russland sind nach Behördenangaben die offiziellen Notfall-Apps gehackt worden. Die Programme senden etwa bei Luftangriffen dringende Warnungen auf die Smartphones der Bevölkerung. Wie heise online und tagesschau.de unter Berufung auf die Deutsche Presse-Agentur berichten, wurde zunächst am späten Sonntagabend in der ukrainischen App fälschlicherweise vor radioaktiver Strahlung in der Hauptstadt Kiew gewarnt.
Falschalarm in Kiew
Die App „Air Alert“ sei möglicherweise vom Feind kompromittiert worden, teilte die ukrainische Luftwaffe auf Telegram mit. Es bestehe keine Gefahr durch Strahlung. Über die App soll laut Medienberichten auch fälschlicherweise vor Angriffen mit chemischen Waffen gewarnt worden sein. In manchen Regionen heulten zudem Sirenen. Die Behörden forderten die Bürgerinnen und Bürger auf, nicht auf Links in der Warn-App zu klicken. Bis zum Montagmorgen lief die App nach und nach wieder normal.
Für die Menschen in der Ukraine sind Luftalarme längst Alltag. Bei größeren Angriffen auf Kiew suchen viele Schutz in U-Bahn-Stationen. Eine manipulierte Warn-App trifft deshalb einen besonders sensiblen Punkt: Sie untergräbt das Vertrauen in ein System, das im Ernstfall Leben retten soll.
Gegenangriff auf Russland?
In der Nacht zum Montag meldete dann Russland einen massiven Cyberangriff auf seine Warn-App. Die staatliche Nachrichtenagentur Tass berief sich dabei auf das Zivilschutzministerium. Den Angreifern sei es gelungen, Falschinformationen an die Bevölkerung zu versenden. Wen die Behörde hinter dem Angriff vermutet, sagte sie nicht. Die Warn-Website des Ministeriums war zeitweise nicht erreichbar. Das landesweite Warnsystem selbst funktioniere aber normal, betonte das Ministerium.
Die zeitliche Abfolge legt laut heise zumindest die Vermutung nahe, dass es sich um einen ukrainischen Gegenangriff gehandelt haben könnte. Belegt ist das nicht. Russland führt seit fast fünf Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, Cyberangriffe begleiten ihn, machen aber deutlich seltener Schlagzeilen als Angriffe aus der Luft oder am Boden.
Warum Warnsysteme attraktive Ziele sind
Warn-Apps verbinden zwei Eigenschaften, die sie für Angreifer interessant machen: eine enorme Reichweite und ein hohes Grundvertrauen der Empfänger. Eine einzige gefälschte Meldung kann Millionen Menschen erreichen und Panik auslösen. Zugleich sind die Apps oft Teil einer Kette aus Behördenportalen, Push-Diensten und Drittanbietern, in der jedes Glied eine Schwachstelle sein kann. Wie genau die Angreifer in beiden Fällen vorgegangen sind, ist bisher nicht bekannt.



