Die Bundesregierung lädt am 2. und 3. November zum Digital-Gipfel nach Berlin. Das Motto lautet laut Bundesdigitalministerium „Shaping AI: safe, sovereign, competitive“. Gastgeber ist Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU), erwartet werden Digitalministerinnen und -minister unter anderem aus Frankreich, den Niederlanden und Kanada, die EU-Kommission, Vertreter von Tech-Firmen und Wissenschaft. Bundeskanzler Friedrich Merz und Wildberger wollen am Nachmittag eine Pressekonferenz geben.
KI als Dauerthema
Im Zentrum steht nach Angaben des Ministeriums Künstliche Intelligenz, von politisch-strategischen Fragen über Anwendung und Sicherheit bis zum Aufbau eines KI-Ökosystems. Wildberger sagte der tagesschau, er wolle für Aufbruchstimmung sorgen. Die Nachfrage nach Plätzen sei größer gewesen, als man erfüllen konnte. Es sei „nicht immer nur eine Frage des Geldes, sondern auch die Frage des Mindsets“, sagte der Minister. Da gebe es Aufholbedarf.
Kritik: Abhängigkeiten gewachsen
Deutlich skeptischer klingt der Thinktank Agora Digitale Transformation. Geschäftsführer Stefan Heumann sagte der tagesschau: „Wir sind leider nicht sehr souverän.“ Seit dem letzten Gipfel sei nicht viel passiert, die Abhängigkeiten seien eher gestiegen. Der Thinktank hat den Bundeshaushalt ausgewertet und kommt auf rund 800 Millionen Euro für KI-Projekte, das entspreche 0,15 Prozent des Bundesetats. Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta investierten in diesem Jahr dagegen umgerechnet 655 Milliarden Euro in KI, so Agora, mehr als der gesamte Bundeshaushalt.
„Clever statt nur viel investieren“
Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder sieht Deutschland vor allem bei den großen Basismodellen abhängig, wie sie hinter ChatGPT, Claude oder DeepSeek stehen. Abgefahren sei der Zug aber nicht: „Der KI-Zug fährt schnell, aber macht immer wieder Zwischenstationen.“ Nicht jedes Land brauche ein eigenes ChatGPT. Chancen sieht er etwa bei Physical AI, also KI in Maschinen, Fabriken, Robotern und Fahrzeugen, bei der Grundlagenforschung und bei Partnerschaften mit Ländern außerhalb der USA. Als Beispiel nennt die tagesschau die Zusammenarbeit des kanadischen Unternehmens Cohere mit Aleph Alpha aus Heidelberg.
Einordnung
Der Gipfel ist vor allem eine Bühne. Konkrete Beschlüsse sind von solchen Treffen selten zu erwarten, wohl aber Signale, wohin Förderung und Regulierung gehen.
Worauf zu achten ist
Interessant wird, ob die Bundesregierung konkrete Vorhaben vorstellt, etwa zu Rechenkapazitäten, zur Förderung von KI-Anwendungen in der Industrie oder zu einfacheren Verfahren für Unternehmen. Die Pressekonferenz am Nachmittag dürfte erste Hinweise geben.


