Immer mehr US-Städte kündigen ihre Verträge mit Flock Safety, einem Anbieter automatischer Kennzeichenerkennung. Doch die Kündigung durchzusetzen, ist offenbar nicht immer einfach, berichtet The Verge unter Berufung auf Recherchen des Automagazins The Drive.
Plymouth: Der Polizeichef zieht den Stecker
Der Stadtrat von Plymouth in Minnesota beschloss am 22. September, die Nutzung der Flock-Kameras zu beenden. Am Morgen darauf sperrte die Polizei laut Polizeichef Eric Fadden alle Nutzerkonten und informierte Flock, anschließend folgte ein formelles Kündigungsschreiben per Post und E-Mail. Von der Unternehmenszentrale oder der Rechtsabteilung habe man keine Antwort erhalten, nur von einem lokalen Ansprechpartner. „Nachdem wir mehr als eine Woche nichts gehört hatten, habe ich unsere Mitarbeiter angewiesen, die Stromkabel der Kameras zu trennen, um sicherzugehen, dass sie nicht funktionieren oder Kennzeichen aufzeichnen“, sagte Fadden The Drive.
Abbauen durfte die Stadt die Kameras nicht ohne Weiteres. Flock funktioniert als Abonnement: Das Unternehmen installiert und besitzt die Hardware, Kunden erhalten Zugang zur Software. Laut dem Sender KSTP bestätigte Flock den Eingang der Kündigung am 5. Oktober, am 21. Oktober teilte das Unternehmen mit, Abbau und Abholung seien eingeleitet. Ein Termin stand demnach noch nicht fest.
Dayton: Kamera ohne Erlaubnis wieder in Betrieb
Rund 20 Meilen entfernt hat die Stadt Dayton eigene Probleme. Dort hatte Flock die Kündigung bestätigt und erklärt, der Abbau könne bis zu 60 Tage dauern. Trotzdem wurden laut The Verge zwei Kameras wieder angeschlossen. Die Stadt schrieb auf Facebook, sie habe Flock am 18. September mitgeteilt, das Programm ruhe und keine Wartungsaufträge seien auszuführen. „Leider wurde die Anweisung der Stadt nicht befolgt, und die Kamera wurde ohne Genehmigung wieder in Betrieb genommen.“
Andere Städte wie St. Paul und Crystal haben die Kameras laut The Drive selbst abgebaut und eingelagert, wo sie auf die Abholung warten. The Verge verweist zudem auf einen ähnlichen Streit an einem College in Illinois.
Flocks Reaktion
Ein Flock-Sprecher sagte The Verge, man sei stolz auf die Wirkung der Technik in Plymouth, respektiere die Entscheidung der Stadt und arbeite mit dem Kunden am Abbau. Gegenüber dem Sender Kare 11 erklärte das Unternehmen laut The Drive, die Zeitpläne seien unterschiedlich, man entferne die Kameras so schnell wie möglich.
Auch für Unternehmen, die Sicherheitstechnik als Abonnement beziehen, ist der Fall lehrreich: Wem gehören Geräte und Daten nach Vertragsende?


