Fujifilm baut seine Produktion von Magnetbändern für die Datenspeicherung massiv aus. Wie das Unternehmen am 29. Oktober mitteilte, investiert es rund 10 Milliarden Yen, nach Angaben von Ars Technica etwa 63 Millionen US-Dollar, in seine Kanagawa-Fabrik am Standort Odawara. Die Produktionskapazität soll gegenüber dem Niveau des Geschäftsjahres 2025 etwa verfünffacht werden. Die Investition läuft von den Geschäftsjahren 2026 bis 2028.

KI als Treiber eines alten Mediums

Als Grund nennt Fujifilm die Ausbreitung generativer KI und von Cloud-Diensten, die ein exponentielles Wachstum der weltweit erzeugten Datenmenge auslösen. Daten aus KI-Training und Inferenz sowie aus der Digitalisierung von Geschäftsprozessen müssten sicher und effizient gespeichert werden. Magnetband könne große Datenmengen lange und günstig speichern und lasse sich physisch vom Netz trennen.

Vor allem große Cloud-Anbieter und Rechenzentrumsbetreiber hätten ihren Bandeinsatz in den vergangenen Jahren ausgeweitet. Zudem gewinne Band angesichts immer raffinierterer Cyberangriffe als Schutz vor Ransomware an Bedeutung. Fujifilm spricht von der größten Investition, die das Unternehmen bisher in eigene LTO-Fertigungsanlagen getätigt hat. Das Geld fließt in Anlagen und zusätzliches Personal, vor allem für die aktuelle Generation LTO Ultrium10.

Lange Tradition, neue Partikel

Fujifilm forscht nach eigenen Angaben seit den 1950er-Jahren an Magnetband. Im Jahr 2000 brachte das Unternehmen sein erstes LTO-Ultrium-Band auf den Markt. 2011 kommerzialisierte es als erstes Unternehmen Barium-Ferrit-Partikel für Magnetbänder. Das 2025 eingeführte LTO Ultrium10 nutzt sogenannte feine Hybridpartikel, die Barium- und Strontium-Ferrit-Technologien kombinieren. Laut eigener Darstellung hält Fujifilm den größten Weltmarktanteil bei Magnetbändern.

Ars Technica weist darauf hin, dass Privatkunden Band vor Jahrzehnten aufgegeben haben, die Unternehmenswelt aber nie. Jede neue LTO-Generation hat die Kapazität deutlich erhöht. Bandkassetten lassen sich zudem leicht abziehen und in einem Tresor oder an einem anderen Standort lagern.

Einordnung

Die Meldung passt zu einem breiteren Bild: Der KI-Boom treibt nicht nur die Nachfrage nach Grafikchips und Arbeitsspeicher, sondern nach der gesamten Speicherkette. Während schnelle Flash-Speicher für Training und Inferenz gebraucht werden, landen die wachsenden Datenbestände am Ende oft im kostengünstigsten Medium.

Was das für Unternehmen bedeutet

Bandspeicher wirkt altmodisch, ist aber für Archive und Datensicherungen weiterhin wirtschaftlich. Ein Band, das nicht dauerhaft mit dem Netz verbunden ist, kann zudem eine zusätzliche Schutzschicht gegen Ransomware bilden. Wer Backup-Konzepte überprüft, sollte neben Cloud- und Festplattenspeicher auch die Frage nach einer getrennten, langlebigen Kopie stellen. Steigende Nachfrage kann sich allerdings auf Preise und Lieferzeiten auswirken.