Anthropic hat mit der überarbeiteten Fassung seines Börsenprospekts (S-1/A) erstmals detaillierte Geschäftszahlen vorgelegt. Sie zeigen ein Unternehmen, das so schnell wächst wie kaum ein anderes in der Technologiegeschichte – und dabei Verluste in einer Größenordnung schreibt, die selbst für die KI-Branche ungewöhnlich ist.
Wachstum in Rekordtempo
In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 erzielte Anthropic laut heise online einen Umsatz von 33,2 Milliarden US-Dollar, nach 2,5 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Allein im dritten Quartal kamen nach Angaben von t3n 16,96 Milliarden Dollar zusammen, ein Plus von 1127 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Im Vergleich zum Vorquartal wuchs der Umsatz um 47 Prozent, nachdem die Steigerungsraten in den beiden Quartalen davor bei 132 und 144 Prozent gelegen hatten. Das Wachstum verlangsamt sich also, bleibt aber enorm.
Im zweiten Quartal hatte Anthropic sogar einen Gewinn von 974 Millionen Dollar ausgewiesen. Das dritte Quartal sieht deutlich anders aus: Hier steht nach Angaben von The Decoder ein Nettoverlust von 23,3 Milliarden Dollar bei rund 17 Milliarden Dollar Umsatz. Das operative Ergebnis lag dagegen nur bei minus 567 Millionen Dollar. Der große Unterschied zwischen operativem und Nettoergebnis deutet auf Bewertungs- und Finanzposten hin, die nicht unmittelbar aus dem laufenden Geschäft stammen.
Verpflichtungen in Billionennähe
Über neun Monate summiert sich der Verlust auf 104 Milliarden Dollar. Noch bemerkenswerter sind die langfristigen Verpflichtungen: Anthropic hat laut Prospekt Zahlungszusagen in Höhe von 895 Milliarden Dollar abgegeben, rund 450 Milliarden davon fallen bis Ende 2030 an. Der größte Teil entfällt auf Rechenkapazität. Allein im dritten Quartal kostete die Rechenleistung rund fünf Milliarden Dollar. Die operativen Ausgaben beziffert heise auf 17,5 Milliarden Dollar; darin enthalten sind auch rund zwei Milliarden Dollar für ein Programm, bei dem Anthropic Spenden von Beschäftigten aufstockt. Das Unternehmen plant mit 3,5 Gigawatt Rechenzentrumsleistung.
Der Börsengang
Mit dem Börsengang will Anthropic rund 100 Milliarden Dollar einsammeln; bis zu 3,5 Milliarden davon sollen von japanischen Investoren kommen. Bei der Bewertung kursieren nach t3n-Angaben Erwartungen von 1,4 bis 1,5 Billionen Dollar, nachdem zuvor auch von zwei Billionen die Rede war. Zum Vergleich: SpaceX hatte bei seinem Börsengang 86,2 Milliarden Dollar erlöst.
Die andere Seite
Anthropic argumentiert, die hohen Vorleistungen seien nötig, um mit der Nachfrage Schritt zu halten, und verweist auf das rasante Umsatzwachstum. Tatsächlich zeigen die Quartalszahlen, dass sich das Geschäft operativ der Gewinnschwelle nähert. Kritiker sehen dagegen in den Zusagen ein erhebliches Risiko: Sollte das Wachstum stärker abflachen, stünden Hunderte Milliarden an Fixkosten im Raum.


