Der australische Softwarehersteller Canva hat seine Grafik-App Affinity für das iPad veröffentlicht. Wie heise online berichtet, vereint die Anwendung Vektorgrafik, Freihandzeichnen, Fotobearbeitung und die Gestaltung mehrseitiger Dokumente in einer Oberfläche, wie schon die Desktop-Version für Windows und macOS. Nutzer sollen einen Entwurf auf dem Tablet beginnen und bis zur druckfertigen Datei bearbeiten können.

Vier Arbeitsbereiche in einer Datei

Neu ist laut Canva ein eigener Zeichenbereich für freie Entwürfe. Er nutzt die Funktionen des Apple Pencil: Druck und Neigung verändern den Strich. Handgezeichnete Formen lassen sich in saubere Vektorformen umwandeln und anschließend mit den Vektorwerkzeugen bearbeiten. Der Fotobereich kann RAW-Dateien importieren und bietet Auswahl- und Retuschewerkzeuge. Ein KI-gestütztes Maskierungswerkzeug hilft, schwierige Umrisse wie Haare, Fell oder Blätter freizustellen. Diese KI arbeitet lokal auf dem Gerät und gehört nicht zu den kostenpflichtigen Funktionen.

Für Layouts lassen sich mehrere Seiten mit wiederkehrenden Seitenvorlagen und Rastern anlegen, etwa für Fotobücher, Broschüren oder Magazine. Alle Bestandteile eines Projekts liegen in einer einzigen Datei im AF-Format. Laut Canva unterstützt die App außerdem gängige Profiformate wie PSD, AI, INDD, IDML, PDF und SVG. Die App soll auch große Dateien mit Tausenden Ebenen und Fotos mit mehr als 100 Megapixeln flüssig bearbeiten, mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde darstellen und auch offline funktionieren. Bearbeitungen sind nicht destruktiv, der Verlauf der Arbeitsschritte lässt sich mit der Datei speichern.

Kostenlos, mit Abo für die KI

Für Einzelpersonen ist Affinity für iPad in den Grundfunktionen kostenlos; nötig ist ein kostenloses Canva-Konto. Kostenpflichtig sind die Cloud-gestützten KI-Werkzeuge wie generatives Füllen, generatives Erweitern oder das Entfernen von Hintergründen. Dafür ist ein Canva-Pro-Abo nötig, das laut heise 12 Euro im Monat oder 110 Euro im Jahr kostet. Für einige KI-Funktionen gelten monatliche Nutzungslimits. Canva betont, lokale Affinity-Dateien würden nicht zum Training von KI-Funktionen verwendet.

Ein Haken betrifft ältere Programme: Das neue Affinity kann Dateien von Affinity Photo oder Affinity Designer lesen, die alten Einzel-Apps können die neuen AF-Dateien aber nicht öffnen. Wer in gemischten Umgebungen arbeitet, sollte das beim Umstieg beachten.

Strategischer Hintergrund

Canva hatte den britischen Hersteller Serif und damit Affinity 2024 übernommen und die Desktop-Version später weitgehend kostenlos gemacht. Das Geschäftsmodell verschiebt sich damit von Lizenzverkäufen zu Abos für KI-Funktionen. Für Adobe ist das eine direkte Herausforderung, denn dessen Kreativ-Apps auf dem iPad sind überwiegend an Abos gebunden.