Saudi-Arabien baut seinen Anspruch aus, ein globaler Standort für KI-Rechenzentren zu werden. Der staatliche Ölkonzern Aramco und der Staatsfonds PIF haben am 1. November den Abschluss einer Transaktion gemeldet, mit der Aramco über eine Tochtergesellschaft 49 Prozent am KI-Unternehmen Humain übernimmt. PIF behält 51 Prozent.
Geld und Technik
Aramco bringt nach eigenen Angaben 2026 rund 9,9 Milliarden saudische Riyal ein, umgerechnet etwa 2,6 Milliarden US-Dollar in bar. Hinzu kommen KI-, Rechen- und Digital-Assets, die der Konzern an Humain überträgt. Das im Mai 2025 von PIF gegründete Unternehmen baut Rechenzentren, Cloud-Plattformen und eigene KI-Modelle, darunter das arabische Sprachmodell ALLaM. Bis 2030 sollen drei Gigawatt Rechenzentrumskapazität entstehen. Humain will damit sowohl die Nachfrage im Inland bedienen als auch zu einem der führenden KI-Exporteure weltweit werden.
Aramco-Chef Amin H. Nasser bezeichnete den Deal als sehr wichtig für den Konzern. Seit 2023 habe Aramco 11,3 Milliarden Dollar an messbarem Technologienutzen erzielt, ein erheblicher Teil davon durch KI-Lösungen. Der Konzern will die Infrastruktur von Humain im eigenen Betrieb nutzen, etwa in der Öl- und Gasförderung, und zusätzlich mit der Vermarktung von KI-Lösungen Geld verdienen.
Ein Netzwerk von Partnern
Humain ist kein Projekt auf dem Reißbrett mehr. Laut The Decoder meldete AMD bereits Ende August, dass die gemeinsam mit Cisco und Humain aufgebaute Infrastruktur Kunden innerhalb und außerhalb Saudi-Arabiens bedient. Über seinen Investmentarm Wa’ed Ventures ist Aramco außerdem am südkoreanischen KI-Chipentwickler Rebellions beteiligt. Für das Königreich ist die Verbindung von günstiger Energie, Kapital und Fläche das zentrale Argument im Wettbewerb um Rechenzentren.
Geopolitische Risiken
Der Ausbau findet allerdings in einem schwierigen Umfeld statt. Humain-Chef Tareq Amin sagte im September laut The Decoder gegenüber Semafor, man verstärke wegen des Iran-Kriegs den Schutz der Rechenzentren und orientiere sich dabei an Aramcos Erfahrungen mit der Absicherung von Ölinfrastruktur. Einen Rückgang der Nachfrage habe Humain trotz des Krieges nicht verzeichnet.
Für westliche Kunden stellen sich zudem Fragen nach Datenschutz, Exportkontrollen und politischer Einflussnahme. Rechenkapazität in einem staatlich kontrollierten Unternehmen eines autoritär regierten Landes ist für viele europäische Unternehmen keine naheliegende Option, selbst wenn Preis und Verfügbarkeit stimmen. Zugleich sind US-Chiphersteller auf Exportgenehmigungen angewiesen, um Beschleuniger in die Region liefern zu dürfen.


