Der US-Chipentwickler Marvell Technology übernimmt den Photonik-Spezialisten Lumentum. Wie Marvell mitteilte, bewertet die Transaktion Lumentum mit einem Unternehmenswert von rund 115 Milliarden US-Dollar; der Eigenkapitalwert liegt laut TechCrunch bei etwa 80 Milliarden Dollar. Damit gehört der Deal zu den größten Übernahmen der Technologiegeschichte. ComputerBase zieht den Vergleich zur Übernahme von EMC durch Dell für 67 Milliarden Dollar und zum Kauf von Activision Blizzard durch Microsoft für 68,7 Milliarden Dollar.

Die Konditionen

Lumentum-Aktionäre erhalten pro Aktie 4,5 Marvell-Aktien. Das entspricht laut ComputerBase einem Wert von 1132 Dollar je Lumentum-Aktie und einem Aufschlag von 23,9 Prozent auf den Schlusskurs vom 28. Oktober. Nach dem Zusammenschluss sollen die bisherigen Marvell-Aktionäre rund 67 Prozent, die Lumentum-Aktionäre rund 33 Prozent des gemeinsamen Unternehmens halten. Der Abschluss ist für die erste Jahreshälfte 2028 geplant und steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Marvell-Chef Matt Murphy soll das Unternehmen weiter führen, Lumentum-Chef Michael Hurlston wechselt in den Verwaltungsrat.

Warum Licht im Rechenzentrum zählt

Lumentum stellt Laser und optische Komponenten her, die Daten per Licht statt per Kupferleitung übertragen. In KI-Rechenzentren ist das ein entscheidender Engpass: Tausende Beschleuniger müssen mit enormer Bandbreite miteinander kommunizieren, und elektrische Verbindungen stoßen bei Reichweite und Energieverbrauch an Grenzen. Marvell wiederum entwickelt Netzwerk- und Schnittstellenchips sowie kundenspezifische Prozessoren für Hyperscaler.

Gemeinsam wollen beide Unternehmen einen Marktführer für KI-Konnektivität bilden. Den adressierbaren Markt beziffert Marvell auf 550 Milliarden Dollar. Die Synergien sollen bei mehr als einer Milliarde Dollar liegen. Es handelt sich um eine reine Aktientransaktion mit festem Umtauschverhältnis. Marvell erwartet nach eigenen Angaben, dass der Zukauf das bereinigte Ergebnis je Aktie bereits im ersten Jahr nach dem Abschluss steigert und die langfristigen Margen verbessert.

„Die KI-Infrastruktur durchläuft einen grundlegenden Architekturwandel hin zu optischer Konnektivität, eine Chance, wie sie nur einmal in einer Generation kommt“, erklärte Murphy. Wer diesen Übergang zuerst gestalte, werde für Jahrzehnte die Standards setzen. Das gemeinsame Portfolio soll von CMOS-Chips über Silizium-Photonik und Verbindungshalbleiter bis zu Advanced Packaging reichen und optische Schaltungen ebenso umfassen wie Transceiver.

Bemerkenswert ist die Rolle von Nvidia: Der Grafikchip-Konzern hatte laut ComputerBase zuvor in beide Unternehmen jeweils zwei Milliarden Dollar investiert.

Risiken des Deals

Ein Zusammenschluss dieser Größe dürfte Kartellbehörden in mehreren Ländern beschäftigen. Der lange Zeitraum bis zum geplanten Abschluss deutet darauf hin, dass beide Seiten mit einer gründlichen Prüfung rechnen. Zudem ist der Markt für optische Komponenten zyklisch: Sollte die Investitionswelle in KI-Rechenzentren abflauen, träfe das den fusionierten Konzern hart. Der hohe Preis geht nur auf, wenn der Ausbau von KI-Infrastruktur über Jahre anhält.