Anthropic hat die Systemanweisungen seines Programmierwerkzeugs Claude Code verschärft. Wie heise online und The Verge berichten, enthält der Systemprompt für das Modell Opus 5.5 nun zwei zusätzliche Sätze. Sinngemäß lauten sie: Baue originelle Spiele, aber baue keinen Nachbau eines bestimmten existierenden Spiels – auch dann nicht, wenn er als original bezeichnet wird.
Bestätigung von Anthropic
Addy Osmani, der bei Anthropic an Claude Code arbeitet, bestätigte die Änderung laut ComputerBase öffentlich. Er lud Nutzer zugleich ein, Fälle zu melden, in denen das Werkzeug zu restriktiv reagiert. Genau solche Fälle gibt es bereits: Auf GitHub und Reddit berichten Entwickler, dass Claude Code Aufgaben ablehnt, die mit Spielen wenig zu tun haben. Genannt werden laut heise etwa Reverse Engineering für Kompatibilitätszwecke, die Analyse von Windows-Abstürzen oder das Entfernen vorinstallierter Werbesoftware von Smart-TVs.
Hintergrund: Die Klonflut
Anlass für die Regel ist offenbar eine Welle KI-generierter Spielekopien. In Foren und auf Plattformen tauchten zuletzt Klone bekannter Titel wie Halo, Modern Warfare 2 oder GTA V auf, ebenso inoffizielle Portierungen der Uncharted-Reihe. Zugleich explodiert die Zahl neuer Spiele: Zum Steam Next Fest im Oktober wurden laut heise rund 7000 Demos eingereicht, etwa doppelt so viele wie im Juni. Im Juni 2022 waren es rund 1000 gewesen. Nicht jede dieser Demos ist ein Klon, aber Entwickler und Plattformbetreiber klagen über eine Flut minderwertiger Titel, die Sichtbarkeit für originelle Spiele erschwert.
Für Spielestudios ist das Thema heikel. Einerseits nutzen viele selbst KI-Werkzeuge, andererseits sehen sie ihre Marken und ihr geistiges Eigentum bedroht. Rechtlich sind Spielmechaniken oft nicht geschützt, Grafiken, Figuren, Namen und Code dagegen schon. Eine automatisierte Grenze zwischen Inspiration und Kopie zu ziehen, ist entsprechend schwierig.
Die Kritik
Genau hier setzt die Kritik an. Ein Sprachmodell kann nur begrenzt beurteilen, ob ein Projekt ein unzulässiger Nachbau oder eine legitime Hommage ist. Nutzer fürchten, dass die Regel zu einer Art vorauseilendem Gehorsam führt, bei dem harmlose Anfragen abgelehnt werden. Zudem stellt sich die Frage, warum Anthropic ausgerechnet bei Spielen eine eigene Regel einführt, während andere Formen der Nachahmung von Software nicht gesondert adressiert werden.
Osmanis Angebot, Fälle von Überblockierung zu melden, zeigt immerhin, dass Anthropic die Grenze nicht für endgültig hält. Wie fein sich ein Systemprompt in der Praxis austarieren lässt, ist allerdings offen: Zwei Sätze im Prompt wirken auf jede Anfrage, nicht nur auf die problematischen.


