Während die Konkurrenz jede neue Funktion mit dem Etikett KI versieht, geht Apple demonstrativ den anderen Weg. Im Interview mit Steven Levy von WIRED, über das auch TechCrunch berichtet, verteidigte der seit Anfang September amtierende Apple-Chef John Ternus die Position seines Konzerns. Apple werde KI „absolut“ in neuen Produkten nutzen, sagte er, aber: „Wir wollen keine KI um der KI willen ausliefern.“ Wenn man es richtig mache, müssten Nutzer nicht darüber nachdenken, ob KI oder klassische Software etwas bewirkt habe.
Apple galt in den vergangenen Jahren oft als Nachzügler, auch weil sich die leistungsfähigere Version von Siri verzögerte, die laut TechCrunch erst in diesem Sommer erschien. Ternus räumte ein, dass „jeder eine Meinung“ habe, sagte aber, er möge, wo Apple stehe. Auf die Frage, ob KI-Agenten Apps überflüssig machen könnten, antwortete er, das könne das Leben einfacher machen, aber Produkte zu erschaffen sei etwas zutiefst Menschliches.
Man kann das als Ausrede eines Spätstarters lesen. Doch der Kern trifft etwas Richtiges: Nutzer wollen Probleme gelöst haben, nicht Technologie bestaunen. Viele KI-Funktionen der vergangenen Jahre waren Demos auf der Suche nach einem Zweck.
Für Unternehmen, die eigene Produkte oder interne Werkzeuge mit KI anreichern, lohnt dieselbe Frage: Würde jemand die Funktion vermissen, wenn das KI-Etikett fehlte? Wenn nicht, ist sie Marketing.
Ob Apple das Versprechen einlöst, zeigt sich allerdings erst an den Produkten – nicht im Interview.


