Der KI-Boom bekommt Risse – nicht in der Technik, sondern in der Kasse. Nach Berechnungen von TechCrunch haben Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft in den vergangenen zwei Wochen Investitionspläne von zusammen mehr als 740 Milliarden Dollar für dieses Jahr skizziert. Das Handelsblatt beruft sich auf JP Morgan, wonach die Investitionen aller Cloud-Firmen auf Jahressicht in diesen Wochen die Billionen-Dollar-Grenze überschreiten; im kommenden Jahr sollen es mehr als 1,4 Billionen sein.
Lange belohnten Anleger solche Summen als Zeichen von Zuversicht. Das kippt. Am Freitag fiel der Nasdaq laut TechCrunch um 2,9 Prozent, Nvidia verlor 4 Prozent. Alphabet war am Donnerstag um 12 Prozent eingebrochen, den schwersten Tag seiner Geschichte. Der Konzern meldete für das dritte Quartal einen negativen freien Cashflow von 9,1 Milliarden Dollar, das zweite Minusquartal in Folge.
Bemerkenswert ist das Paradox dahinter: Googles KI-Modus in der Suche ist erfolgreich, knabbert aber am eigenen Werbegeschäft, dessen Wachstum sich auf 12 Prozent verlangsamte. Gartner-Analyst Adrian O’Connell nennt das im Handelsblatt ein „kalkuliertes Wagnis“: Niemand wisse sicher, ob sich die Investitionen auszahlen.
Für Unternehmenskunden ist das zunächst eine gute Nachricht. Wer Rechenleistung baut, muss sie auslasten, und das drückt mittelfristig Preise. Zugleich wächst das Risiko, dass Anbieter Dienste einstellen, Preise später anheben oder Angebote bündeln, um Investoren zu beruhigen.
Die Lehre für den Mittelstand: KI-Projekte am konkreten Nutzen messen, nicht am Hype – und Verträge so gestalten, dass ein Anbieterwechsel möglich bleibt.


