Ein Fehler im NTFS-Treiber, den American Megatrends (AMI) für UEFI-Firmware bereitstellt, kann die Prüfung bootfähiger USB-Sticks scheitern lassen. Die am 30. Oktober veröffentlichte Beta von Rufus 4.16 umgeht das Problem, berichtet ComputerBase. Rufus ist ein verbreitetes kostenloses Werkzeug, mit dem sich USB-Sticks aus Images von Windows oder Linux bootfähig machen lassen.
Was der Treiber falsch macht
Der betroffene Treiber steckt laut ComputerBase unter anderem in der Firmware von Mainboards von Asus, Gigabyte und Intel. Unter bestimmten Bedingungen liest er Daten von einem NTFS-Laufwerk falsch aus. Bei der optionalen UEFI-Medienprüfung von Rufus erscheinen Dateien dann als beschädigt, obwohl ihre Prüfsummen unter Windows und Linux stimmen.
Rufus-Entwickler Pete Batard hat den Fehler bereits 2024 in einem eigenen Testprojekt auf GitHub dokumentiert. Werden Daten in kleinen Blöcken geschrieben und im UEFI stückweise gelesen, liefert der Treiber bei manchen Lesevorgängen falsche Daten. Das tritt auf, wenn eine Datei fragmentiert, also nicht zusammenhängend auf dem Datenträger gespeichert ist. Mit einem anderen NTFS-Treiber ließ sich das nicht reproduzieren. Batard schreibt, er habe AMI Anfang 2024 informiert, der Hersteller habe den Bericht bestätigt, aber nichts unternommen.
Ein Workaround statt eines Firmware-Updates
Rufus 4.16 umgeht den Fehler, indem es Dateien zusammenhängend auf das NTFS-Medium schreibt. Dasselbe Verfahren nutzt laut Batard das Packprogramm 7-Zip seit Version 17.0. Ein Firmware-Update der betroffenen Rechner ist damit nicht nötig, der Treiber selbst bleibt aber fehlerhaft.
In den Release Notes nennt Batard den Fehler „stupid“ und spricht von Millionen PCs, die AMI „screwed up“ habe. Eine unabhängige Zahl zu betroffenen Rechnern gibt es nicht, wie ComputerBase anmerkt.
Weitere Neuerungen
Daneben erkennt Rufus nun USB-Verbindungen mit 20, 40 und 80 Gbit/s und meldet sie korrekt. Behoben wurden Fehler bei der unbeaufsichtigten Windows-Installation, bei der Größe einer EFI-Systempartition und bei Zeitzonen in nicht englischen Sprachversionen. Eine neue Option stellt das klassische Kontextmenü von Windows wieder her. Der eingebettete Bootloader GRUB wurde auf Version 2.16 aktualisiert, zudem schließt das Update mehrere Sicherheitslücken. Laut Batard setzen diese entweder ein bereits kompromittiertes System, ein präpariertes ISO oder einen Man-in-the-Middle-Angriff voraus.
Rufus 4.16 ist derzeit als Beta für Windows verfügbar. Die letzte stabile Version bleibt 4.15.
Für Anwender bedeutet das: Wer bei der Prüfung eines Rufus-Sticks Fehler sieht, muss nicht zwingend ein defektes Image haben. Erst ein Gegentest mit der neuen Beta oder auf einem anderen Rechner schafft Klarheit. IT-Abteilungen, die regelmäßig Installationsmedien erstellen, sollten nach Erscheinen der stabilen Version 4.16 auf diese wechseln und ihre Abläufe zur Medienprüfung entsprechend anpassen.


