Der Linux-Spezialist SUSE baut in großem Umfang Stellen ab. In einer internen E-Mail an die rund 1900 Beschäftigten, über die zuerst das britische Portal The Register berichtete, kündigte CEO Dirk-Peter van Leeuwen den Abbau von etwa zehn Prozent der weltweiten Belegschaft an. Das entspricht rund 190 Arbeitsplätzen. Als Begründung nennt er „Automatisierung und KI“.
„Schmerzhafte Entscheidung“
„Diese Entscheidungen sind schmerzhaft für unsere Mitarbeiter, unsere Unternehmenskultur und unsere Open-Source-Community“, schrieb van Leeuwen laut heise online. Sie seien aber notwendig, um ein zukunftsfähiges SUSE aufzubauen. Es sei offensichtlich, dass Automatisierung und KI die Arbeitsweise von Softwareunternehmen grundlegend veränderten. Die bisherige Organisation und Kostenstruktur werde SUSE nicht erfolgreich in die Zukunft führen; der Bedarf an einigen Rollen sei „stark zurückgegangen“. Man werde Investitionen in vorrangige Bereiche beschleunigen und andere weniger stark priorisieren.
Welche Stellen konkret wegfallen, legte der Manager nicht im Detail dar. Das Unternehmen erklärte, es habe geprüft, inwieweit Stelleninhaber sich weiterentwickeln können und welche Aufgaben sie künftig aufgeben oder verstärken sollten. Auf dieser Grundlage seien die Entscheidungen getroffen worden.
Zeitplan
Die Betroffenen sollen laut The Register bis Mittwoch informiert werden. Am Donnerstag werden Arbeitnehmervertreter benannt, Anfang kommender Woche beginnen Einzelgespräche. Am 16. November soll die übrige Belegschaft einen Einblick in die Strategie für das Geschäftsjahr 2027 erhalten. Bereits im September hatte SUSE langjährigen Mitarbeitenden laut The Register eine freiwillige Beendigung des Arbeitsverhältnisses angeboten. Offenbar fanden sich nicht genügend Freiwillige.
The Next Web ordnet den Abbau in eine Reihe von Softwarefirmen ein, die Stellenstreichungen inzwischen offen mit KI begründen. Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der SUSE selbst KI-Funktionen in seine Produkte einbaut. Ob tatsächlich KI die Arbeit übernimmt oder ob Kostendruck der eigentliche Treiber ist, lässt sich von außen kaum beurteilen.
Ein Unternehmen mit Fürther Wurzeln
SUSE wurde 1992 von drei Studenten in Fürth gegründet und ist vor allem für SUSE Linux bekannt. Heute bietet das in Luxemburg ansässige Unternehmen Open-Source-Software für Geschäftskunden an. 2018 löste der schwedische Finanzinvestor EQT SUSE aus dem Micro-Focus-Konzern heraus, 2023 nahm er das Unternehmen von der Börse; damals lag die Bewertung bei knapp drei Milliarden US-Dollar. Im März gab es Berichte, wonach EQT einen Verkauf erwägt, im Raum stand ein Preis von bis zu sechs Milliarden Dollar.



