Spotify kommt mit seinem Plan, Songs per KI verändern zu lassen, langsamer voran als erhofft. Nach einem Bericht der Financial Times, den heise online und Music Business Worldwide aufgreifen, zielt der Streamingdienst inzwischen auf einen Start im ersten Quartal 2027. Eine Vorstellung rund um die Grammy-Verleihung im Februar gilt als möglich. Spotify erwägt, dafür 4 bis 5 US-Dollar pro Monat zusätzlich zum Abo zu verlangen. Zeitplan und Preis sind laut den Quellen der Zeitung allerdings noch nicht endgültig.

Remixe statt neuer Songs

Das Werkzeug unterscheidet sich von KI-Musikgeneratoren wie Suno, die aus Textbefehlen komplett neue Stücke erzeugen. Bei Spotify sollen zahlende Nutzer die Songs teilnehmender Künstlerinnen und Künstler umarbeiten lassen können, etwa einen Folksong in einen Dance-Track verwandeln oder eine Version erzeugen, die klingt, als würde ein anderer Künstler das Lied covern. Tantiemen aus solchen Fan-Remixen sollen an die Urheber der Originale fließen, und Abrufe sollen in Spotifys Charts dem Originalsong gutgeschrieben werden.

Lizenzverträge hat Spotify bisher mit Universal Music, Merlin, Kobalt und Believe geschlossen. Universal kündigte seine Vereinbarung bereits am 21. Mai an. Mit Sony Music und Warner Music verhandelt Spotify laut FT noch. Co-Chef Gustav Söderström hatte im August erklärt, man brauche nicht mit allen großen Labels einen Vertrag, und angekündigt, das Produkt komme, „wenn es fertig ist“, zunächst als Research Preview für einen Teil der Nutzer.

Der Engpass sind die Künstler

Die eigentliche Hürde liegt offenbar woanders. Auch wenn ein Label seinen Katalog lizenziert hat, entscheiden die Musikerinnen und Musiker laut dem Bericht selbst über ihre Teilnahme. Gerade große zeitgenössische Stars seien schwer zu überzeugen, während einige etablierte ältere Künstler Zustimmung signalisiert hätten. Spotify und Universal führen deshalb Einzelgespräche. Wie groß die Vorbehalte sind, zeigte Anfang Oktober die US-Sängerin Olivia Rodrigo, die dem Hollywood Reporter sagte, sie würde nie KI in ihrer Musik nutzen.

Wirtschaftliche Erwartungen

Trotz der Verzögerung sind Analysten optimistisch. Ian Moore von Bernstein schätzt laut FT, dass sieben bis acht Prozent der zahlenden Spotify-Kundschaft in den USA das Angebot bis Ende 2028 nutzen könnten. Für Spotify wäre das ein willkommener zusätzlicher Umsatzstrom, denn reine Abopreiserhöhungen stoßen irgendwann an Grenzen. Auch Universal erwartet aus KI-Partnerschaften ab 2027 zusätzliche Einnahmen.