Ein Fall aus Kentucky zeigt, wie schnell der KI-Einsatz am Arbeitsplatz zur Gewissensfrage werden kann. Wie heise online und Fortune berichten, hat David Durman, Forschungsadministrator an der University of Kentucky, eine Ausnahmeregelung erhalten: Er muss bei seiner Arbeit keine KI nutzen. Die Universität hatte ihre Beschäftigten aufgefordert, KI in Arbeitsabläufe zu integrieren. Laut Fortune wurde die Ausnahme am 25. September gewährt; heise spricht vom ersten bekannten Fall dieser Art.
Durman beruft sich auf seine humanistischen Überzeugungen. Situationen selbst zu durchdenken sei ein wesentlicher Teil seiner Entwicklung zu einem moralischen Menschen, sagte er laut heise. Diese Arbeit abzugeben untergrabe seine Fähigkeit, moralisch zu handeln. Mit Unterstützung der American Humanist Association stützte er sich auf ein US-Gesetz, das Anpassungen von Arbeitsanforderungen aus religiösen Gründen erlaubt.
Man muss Durmans Haltung nicht teilen, um den Punkt zu sehen. heise verweist auf Studien, wonach Menschen KI-Empfehlungen oft übernehmen und sie anschließend für ihre eigene Entscheidung halten. Wer Beschäftigte zur KI-Nutzung verpflichtet, verschiebt also auch Verantwortung und Urteilsvermögen.
Auch in Deutschland führen Firmen KI-Werkzeuge derzeit vielfach top-down ein. Klüger wäre es, klar zu regeln, wofür KI genutzt werden soll, wo menschliches Urteil Pflicht bleibt – und wie Einwände von Mitarbeitenden ernst genommen werden.
Zwang erzeugt selten gute Ergebnisse, auch nicht bei Software.



