Der Hype um KI-Agenten, die für Nutzer einkaufen, trifft beim Lieferdienst DoorDash auf eine nüchterne Bilanz. In der Telefonkonferenz zum dritten Quartal sagte Mitgründer und Chef Tony Xu, externe KI-Agenten hätten seit ihrem Start „einige hundert Bestellungen“ ausgelöst. Ars Technica und TechCrunch berichten darüber.

Ein Bruchteil des Geschäfts

Zum Vergleich: DoorDash hat laut Ars Technica allein im dritten Quartal 2026 knapp eine Milliarde Bestellungen abgewickelt. Xu selbst sprach von einem „sehr geringen Anwendungsfall“. Laut TechCrunch nannte er Drittanbieter-Agenten wie Muse, Instinct oder Fo. „Mein Ansatz bei Technologie ist, dass man nie gegen die Schwerkraft ankämpfen will. Gleichzeitig will man aber nicht realitätsfern sein“, sagte Xu. Die Nutzer bestellten weiterhin vor allem über die DoorDash-App.

Xu sieht Potenzial für Agenten bei Käufen mit langer Überlegung und großen Entscheidungen, bei denen ein Agent im Hintergrund vorausschauend Arbeit erledigt. Bei einer so einfachen Aufgabe wie dem Bestellen von Essen kämen die Kunden aber direkt zu DoorDash.

Die Schnittstelle ist noch jung

Fairerweise ist die offene Anbindung noch neu. DoorDash hat seinen Connector für das Model Context Protocol (MCP) laut Ars Technica vor weniger als einem Monat eingeführt. MCP ist ein offener Standard, über den KI-Werkzeuge Dienste ansprechen können. Der Zugang steht bisher nur wenigen frühen Beta-Partnern offen und wird vor allem für Firmenbestellungen beim Mittagessen genutzt. Ohne diese Anbindung müssen Agenten den Umweg über die Weboberfläche gehen.

DoorDash entwickelt zudem eigene KI-Funktionen. TechCrunch nennt den Chatbot Ask DoorDash aus dem Juni, einen Kommandozeilen-Agenten aus dem Juli und eine Bestellung per Textnachricht seit September. Xu deutete an, dass künftig Werbung innerhalb externer Agenten eine Option sein könnte, und will eine gute Beziehung zu den Agenten-Anbietern aufbauen.

Plattformen gehen unterschiedliche Wege

Wie offen Händler gegenüber fremden Agenten sein sollen, ist umstritten. Laut TechCrunch blockiert Amazon persönliche Einkaufsagenten, während Walmart ihnen den Zugang erleichtert, um Kunden von der Konkurrenz zu gewinnen.

Wie sich die Zahlen entwickeln, wenn mehr Partner Zugang zur MCP-Schnittstelle erhalten, dürfte sich in den kommenden Quartalen zeigen. Für Unternehmen mit eigenem Onlinehandel ist das eine gute Gelegenheit, ohne Zeitdruck zu prüfen, welche Teile ihres Angebots sich maschinenlesbar bereitstellen lassen. Dazu gehören aktuelle Preise, Verfügbarkeiten und klare Bestellwege. Solche Vorarbeiten helfen auch Suchmaschinen und Vergleichsportalen.