Der US-Autobauer Ford hat ein öffentliches Datenschutzversprechen vorgestellt. Wie The Verge berichtet, verpflichtet sich das Unternehmen darin, Fahrdaten seiner Kunden niemals an externe Datenhändler zu verkaufen. Zudem will Ford Daten durch Aggregation und Anonymisierung schützen und „klare und leicht verständliche Informationen“ darüber geben, wie es persönliche Daten nutzt.
Mehr Transparenz vor neuen vernetzten Autos
Ford startete zugleich eine Website, die erklärt, wie, wo und warum der Hersteller Fahrzeugdaten nutzt und wie Kunden die Einstellungen ändern. Die Kontrollmöglichkeiten gab es laut TechCrunch schon länger, Ford will sie aber klarer kommunizieren, besonders vor dem Start stärker vernetzter Fahrzeuge auf seiner geplanten Elektroauto-Plattform. Daten für Sicherheitsfunktionen will Ford weiter nutzen, Kunden sollen aber festlegen können, wie viel sie teilen.
„Wir wissen, dass Vertrauen verdient werden muss“, schreibt Fords Datenschutzchefin Kristin Jones in einem Blogbeitrag. Gegenüber TechCrunch sagte sie, eine Umfrage unter 1000 Verbrauchern habe ergeben, dass 91 Prozent Datenschutz als wichtiges Kriterium sehen. Laut TechCrunch sagen nur 14 Prozent der US-Kunden, dass sie vollständig verstehen, welche Daten ihr Fahrzeug sammelt.
Der Fall General Motors als Hintergrund
Das Versprechen kommt kurz nach einem Vergleich von General Motors. GM erklärte sich bereit, 220 Millionen Dollar zu zahlen, um Vorwürfe beizulegen, es habe Fahr- und Standortdaten unrechtmäßig an Datenhändler verkauft. Laut TechCrunch schloss GM den Vergleich mit 36 Bundesstaaten; zuvor war bereits die US-Handelsaufsicht FTC gegen den Konzern vorgegangen. Die Einigung verpflichtet GM laut The Verge, weniger Fahrdaten zu sammeln und vor der Erhebung die ausdrückliche Zustimmung der Fahrer einzuholen. GM hat mit dem Vergleich die Vorwürfe beigelegt; ein gerichtliches Schuldurteil gibt es nach den vorliegenden Berichten nicht.
Das Problem betrifft die ganze Branche. Laut The Verge ergab eine Untersuchung von 21 Automarken, dass jede Daten per WLAN an mindestens eine Drittanbieter-Domain übertrug. Mehr als die Hälfte kontaktierte Domains von Werbe-, Tracking- oder Analysediensten. Die Mozilla Foundation hatte vernetzte Autos in einem Bericht als die schlechteste je untersuchte Produktkategorie in Sachen Datenschutz bezeichnet.
Mehr als Worte?
Laut The Verge ist das Versprechen nicht nur Werbung. In den USA geht die Handelsaufsicht FTC gegen Unternehmen vor, die die Öffentlichkeit mit irreführenden Aussagen täuschen. Bricht Ford eine öffentliche Zusage wie „Wir verkaufen Ihre Fahrdaten nie an Datenhändler“, könnten die FTC und Generalstaatsanwälte der Bundesstaaten klagen, verbindliche Vereinbarungen erzwingen und hohe Strafen verhängen.
Konkurrenz um Vertrauen
Ford ist nicht allein mit dem Versuch, sich über Datenschutz abzugrenzen. Das von Jeff Bezos unterstützte Elektroauto-Start-up Slate Auto wirbt laut TechCrunch ebenfalls damit. Zu den Praktiken der Wettbewerber wollte sich Jones nicht äußern.


