Der Streit zwischen Verlagen und KI-Branche hat einen neuen Beklagten. Die New York Times hat am Montag vor dem Bundesbezirksgericht für den südlichen Bezirk von New York Klage gegen Brave Software eingereicht, den Hersteller des gleichnamigen Webbrowsers. Wie TechCrunch berichtet, reichten die New York Daily News, die Chicago Tribune und der Orlando Sentinel am selben Tag eine ähnliche Klage ein.
Die Vorwürfe
Laut der Klageschrift hat Brave mit einem nicht benannten Crawler einen Index von mehr als 30 Milliarden Webseiten aufgebaut, den Verlage nicht blockieren konnten. Über diesen Index habe Brave KI-Unternehmen gegen Bezahlung Zugang zu „Echtzeit-Online-Inhalten“ verschafft. Als Kunden nennt die Klage laut TechCrunch Anthropic, Perplexity, Mistral, xAI und Cohere. Diese Firmen sind selbst nicht beklagt. Sie nutzten den Index nach Darstellung der Kläger, um Modelle zu trainieren oder Nutzeranfragen mit aktuellen Inhalten zu beantworten.
„Brave hat die Medienhäuser nie um Erlaubnis gebeten, auf ihre Websites zuzugreifen – geschweige denn, deren Inhalte zu kopieren und sie Nutzern oder anderen KI-Unternehmen zur Verfügung zu stellen“, zitiert heise online aus der Klageschrift. Die Times vergleicht Brave darin mit einem Einbrecher und einem Hehler, der gestohlene Inhalte an Dritte verkauft. Zudem richtet sich die Klage gegen eine Browserfunktion, die Bezahlschranken umgehe, sowie gegen Braves Praxis, Werbung der Verlage zu blockieren und zugleich eigene Werbung zu verkaufen. Die Times fordert eine einstweilige Verfügung und Schadenersatz.
Braves Position
Brave reagierte laut TechCrunch zunächst nicht auf eine Anfrage. Das 2015 gegründete Unternehmen positioniert seinen Browser als datenschutzfreundliche Alternative und hat nach Angaben von Marktbeobachtern bislang rund 250 Millionen Dollar eingesammelt. Die Such-API mit eigenem, von Google und Microsoft unabhängigem Index ist ein wichtiges Geschäftsfeld, gerade weil KI-Anbieter für ihre Antworten aktuelle Webinhalte brauchen. Die Vorwürfe sind bislang nicht gerichtlich geprüft.
Teil einer Klagewelle
Die New York Times führt bereits seit Ende 2023 einen Rechtsstreit gegen OpenAI und Microsoft wegen der Nutzung ihrer Artikel für das KI-Training und hat auch Perplexity verklagt. Laut heise unterstützt die US-Regierung im Verfahren gegen OpenAI die Position, KI-Training sei kein Urheberrechtsverstoß. Neu an der Brave-Klage ist, dass sie nicht ein Modell, sondern einen Zwischenhändler ins Visier nimmt: den Anbieter, der Webinhalte sammelt und an KI-Firmen weitergibt.
Für die KI-Branche könnte das weitreichende Folgen haben. Viele Anbieter beziehen Suchergebnisse und Webinhalte über APIs von Dritten. Sollte ein Gericht solche Indizes als Vervielfältigung geschützter Inhalte werten, müssten Datenlieferketten neu bewertet werden.


