OpenAI reagiert auf den wachsenden Widerstand gegen Rechenzentren in den USA mit einem neuen Argument: Die Anlagen sollen nicht Last, sondern Schutz für das Stromnetz sein. Wie The Verge berichtet, will das Unternehmen ein „Grid Protectors Program“ in einem geplanten Rechenzentrum in Effingham County im US-Bundesstaat Georgia erproben.

Das Versprechen

Bei extremem Wetter oder in Notfällen will OpenAI dort bis zu 1000 Megawatt Leistung für das Netz freigeben. Das reiche, so das Unternehmen, um die Klimaanlagen von rund 700.000 Haushalten zu versorgen. Die Kraftwerke, die das Rechenzentrum mit Strom versorgen, sollen als Ressource dienen, auf die Versorger zurückgreifen können, wenn Gemeinden sie am dringendsten brauchen.

OpenAI argumentiert zudem mit den Kosten: Weil die Rechenzentren ganzjährig Strom abnehmen, könnten die Fixkosten des Netzes auf mehr verkaufte Kilowattstunden verteilt werden. Gleichzeitig erlaube Flexibilität, die Nachfrage zu senken, wenn das System besonders belastet ist. Das Unternehmen kündigt an, weiter mit Politik und Versorgern an Vereinbarungen zu arbeiten, um den Verbrauch bei Netzengpässen zu reduzieren.

Neue Namen, alter Widerstand

Auffällig ist die Wortwahl. OpenAI bezeichnet seine Rechenzentren inzwischen als „Compute Campuses“. Laut The Decoder, der sich auf Axios beruft, gehört die Umbenennung zu einer breiteren politischen Strategie von OpenAI-Politikchef Chris Lehane, der Gemeinden wirtschaftliche Vorteile verspricht und auf schnelle Sicherheitsregeln für Spitzenmodelle drängt – von ihm als „Tempolimits“ bezeichnet.

Der Hintergrund ist handfest. In Utah protestierten Anwohner, nachdem die Verwaltung von Box Elder County ein Rechenzentrum genehmigt hatte, dessen Verbrauch mehr als doppelt so hoch sein soll wie die Spitzenlast des gesamten Bundesstaates im Jahr 2025. Mehrere Bundesstaaten, darunter Tennessee, Florida, Oklahoma und Oregon, haben Gesetze erlassen, die verhindern sollen, dass KI-Unternehmen Energiekosten auf Privathaushalte abwälzen. Eine Studie des Houston Advanced Research Center kam zu dem Ergebnis, dass die geplanten Rechenzentren in Texas die Fortschritte bei der Luftqualität aus Jahrzehnten binnen fünf Jahren zunichtemachen könnten.

Die Gegenargumente

Dass große Verbraucher in Spitzenzeiten ihre Last reduzieren, ist im Energiemarkt nicht neu und kann Netze tatsächlich stabilisieren. Insofern ist der Vorschlag nicht nur Marketing. Einwände liegen allerdings nahe: Die 1000 Megawatt können nur deshalb freigegeben werden, weil sie zuvor zusätzlich gebaut wurden, und die Emissionen der Kraftwerke bleiben. Wie verbindlich die Zusagen sind und zu welchen Konditionen Versorger auf die Leistung zugreifen können, geht aus der Ankündigung nicht im Detail hervor.