Der Website-Baukasten Squarespace baut rund ein Fünftel seiner Belegschaft ab. „Squarespace restrukturiert seine Organisation und reduziert seine weltweite Belegschaft um etwa 19 Prozent, das entspricht rund 300 Beschäftigten“, sagte Sprecher Jeff Seedman gegenüber TechCrunch. Laut The Verge, die zuerst berichtet hatte, beschäftigt das Unternehmen rund 1800 Menschen.
Die Begründung
Die Änderungen sollen laut Seedman „vereinfachen, wie wir arbeiten, unsere Prioritäten schärfen und es dem Unternehmen ermöglichen, schneller voranzukommen“, um Squarespace für seine „nächste Wachstumsphase“ aufzustellen. Man sei den ausscheidenden Kolleginnen und Kollegen dankbar und biete umfassende Unterstützung beim Übergang. Betroffene erhalten laut The Verge 16 Wochen Grundgehalt und Krankenversicherungsleistungen bis Mai 2027.
Einen direkten Zusammenhang mit KI nennt das Unternehmen in seinem Statement nicht. Das Umfeld hat sich aber deutlich verändert. Sogenannte Vibe-Coding-Werkzeuge, die aus einfachen Texteingaben funktionierende Websites erzeugen, haben laut TechCrunch die Branche stark umgewälzt. Konkurrent Wix kaufte im vergangenen Jahr den KI-Baukasten Base44 für 80 Millionen Dollar. Lovable sammelte im August 400 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 13,3 Milliarden Dollar ein. Google bietet mit Stitch ein Werkzeug, das schnell Oberflächenentwürfe erzeugt.
Squarespace setzt selbst auf KI
Squarespace ist kein Nachzügler. Das Unternehmen startete 2024 das KI-Werkzeug Blueprint, das Websites aufbaut und Texte für Blogbeiträge oder Produktbeschreibungen generiert. Zuletzt kündigte es Forma an, eine KI-native Plattform, für die sich Interessenten auf eine Warteliste setzen lassen können.
Squarespace wurde 2004 gegründet und ging 2021 mit einer Bewertung von 10 Milliarden Dollar an die Börse. Das öffentliche Marktinteresse blieb in den Folgejahren verhalten. 2024 übernahm der Finanzinvestor Permira das Unternehmen für rund 7 Milliarden Dollar und nahm es wieder von der Börse.
Was das für Kunden heißt
Für die Branche ist Squarespace kein Einzelfall. Auch andere Software-Unternehmen begründen derzeit Stellenabbau mit Vereinfachung und neuen Prioritäten, während sie gleichzeitig in KI-Produkte investieren. Die Gewichte verschieben sich von Vertrieb und Betrieb klassischer Produkte hin zur Entwicklung KI-gestützter Angebote.
Für bestehende Kunden ändert sich zunächst nichts. Der Umbau zeigt aber, wie stark sich das Geschäft mit Websites verschiebt: weg vom Baukasten mit Vorlagen, hin zu Werkzeugen, die auf Zuruf ganze Seiten erzeugen. Für Anbieter bedeutet das Preisdruck, weil die Einstiegshürde sinkt. Für Kunden kann es günstiger werden, aber auch unübersichtlicher, weil viele neue Anbieter auf den Markt drängen.



